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Unternehmen kaufen ohne Eigenkapital: Was realistisch ist

Redaktion · Aktualisiert 2026-10-14 · 5 Min. Lesezeit

Ein Unternehmenskauf ganz ohne Eigenkapital ist die Ausnahme. Realistisch sind Mischmodelle: ein kleiner Eigenanteil, ergänzt durch Bankkredit, Förderkredit, Bürgschaft und ein Verkäuferdarlehen. Angebote, die einen Kauf ohne jede Eigenleistung versprechen, sollten Sie besonders kritisch prüfen.

Was „ohne Geld“ tatsächlich bedeutet

Kein Weg führt zu einem Betrieb ohne Gegenleistung. Der Verkäufer bekommt einen Preis, auch wenn er gestundet, in Raten gezahlt oder an künftigen Erfolg gekoppelt wird. Wer von „ohne Eigenkapital“ spricht, meint meist, dass der Eigenanteil sehr klein ist oder durch andere Bausteine ersetzt wird. Drei Modelle sind verbreitet:

  • Mischfinanzierung: kleiner Eigenanteil, Bankkredit, Förderkredit und Beiträge des Verkäufers.
  • Verkäuferfinanzierung: Der Verkäufer stundet einen Teil des Preises oder beteiligt sich an künftigen Erträgen.
  • Beteiligungsmodelle: Kapitalgeber oder Mitgesellschafter erhalten Anteile oder Rechte am Unternehmen.

Nach § 488 BGB müssen vereinbarte Zinsen gezahlt und das Darlehen bei Fälligkeit zurückgezahlt werden, unabhängig davon, wie der Betrieb läuft. Je höher der Fremdkapitalanteil, desto weniger Puffer bleibt.

Die Bausteine im Überblick

Baustein Funktion Worauf achten
Förderkredit über die Hausbank Günstigere Konditionen, teils Risikoübernahme Antrag vor Vorhabenbeginn, Programmstand prüfen
Bürgschaftsbank Ersetzt fehlende Sicherheiten teilweise Quoten und Höchstbeträge je Bundesland verschieden
Beteiligungsgesellschaft Eigenkapitalähnliche Mittel, oft stille Beteiligung Mitsprache und spätere Rückzahlung klären
Verkäuferdarlehen Stundung eines Preisteils Besicherung, Zinsen, Verhältnis zur Bank
Earn-out Teil des Preises hängt von Kennzahlen ab Messgrößen eindeutig definieren
Investor, MBI/MBO, Search Fund Zusätzliches Kapital gegen Anteile Entscheidungen und spätere Erlöse werden geteilt

Förderkredite: Was die KfW bietet

Die KfW stellt Mittel nicht direkt bereit, Anträge laufen über die Hausbank oder einen anderen Finanzierungspartner. Nach den vorliegenden Programmbeschreibungen deckt der ERP-Gründerkredit StartGeld auch Unternehmensnachfolgen ab, mit bis zu 200.000 Euro und einer Übernahme von 80 Prozent des Kreditrisikos durch die KfW. Für größere Vorhaben gibt es weitere Programme, darunter den ERP-Förderkredit KMU. Programmnamen, Höchstbeträge und Konditionen ändern sich, einzelne Produkte wurden eingestellt. Prüfen Sie den aktuellen Stand direkt bei der KfW und mit Ihrer Bank. Vertiefung: Finanzierung beim Unternehmenskauf.

Was Banken und Verkäufer sehen wollen

Ohne Eigenmittel müssen Sie auf anderem Weg Vertrauen aufbauen:

  1. Branchenerfahrung oder Führungserfahrung in einer vergleichbaren Rolle. Wer von außen kommt, hat höhere Hürden.
  2. Tragfähiger Businessplan: Nach Zins, Tilgung und einem angemessenen Lebensunterhalt muss ein Überschuss bleiben, möglichst mit kalkuliertem Unternehmerlohn.
  3. Konservativer Preis im Verhältnis zum nachhaltigen Ertrag. Rechner liefern nur Indikationen; einen groben Rahmen zeigt Unternehmenswert berechnen.
  4. Sicherheiten: Persönliche Bürgschaften können Ihr Privatvermögen in die Haftung ziehen.
  5. Ein Verkäufer, der bleibt: Eine vereinbarte Einarbeitungs- oder Beratungsphase senkt das Übergaberisiko.

Merksatz: Ein gestundeter Kaufpreis ist kein geringerer Kaufpreis. Er verschiebt die Last nur in die Zukunft, in der Ihr Betrieb sie erwirtschaften muss.

Kapitalbedarf realistisch rechnen

Der Kaufpreis ist nur ein Teil des Bedarfs. Hinzu kommen Notar- und Beratungskosten, mögliche Steuern, Warenbestand, Investitionen und Mittel für die Anlaufphase. Rechnen Sie jeden Posten einzeln und planen Sie einen Puffer für die ersten Monate ein. Zusätzlich können die Haftung nach § 25 HGB für Altverbindlichkeiten bei Fortführung der Firma und der Eintritt in bestehende Arbeitsverhältnisse nach § 613a BGB den Kapitalbedarf erhöhen; mehr dazu in Haftung bei der Firmenübernahme.

Testen Sie mindestens drei Szenarien: Plan, schwächerer Verlauf und Umsatzrückgang durch Kundenverlust nach der Übergabe. Verträgt der Betrieb auch das schwächere Szenario? Für eine grobe Abschätzung der monatlichen Belastung bietet die M&A Börse einen Finanzierungsrechner.

Welche Betriebe sich eher eignen

Kleine Betriebe mit niedrigem Preis, wenigen Beschäftigten und einfacher Ausstattung sind in der Regel leichter mit wenig Eigenkapital zu finanzieren, etwa ein Imbiss, ein Kiosk oder ein Friseursalon. Auch dort können Zulassungen oder Qualifikationen verlangt werden, und Miete, Ausstattung und Anlaufkosten müssen gedeckt sein. Kapitalintensive Betriebe mit schwerem Gerät oder Immobilien sind bei hohem Fremdkapitalanteil schwieriger, weil Banken stärker auf Sicherheiten achten. Eine Übersicht möglicher Zielbranchen bietet die Branchenübersicht der M&A Börse am Beispiel Handwerk; mehr zur Größenklasse in Kleine Unternehmen kaufen.

Typische Fehler

  • Kapitalbedarf unterschätzt: Nebenkosten, Betriebsmittel und Puffer fehlen in der Rechnung.
  • Nur eine Finanzierungsquelle: Besser sind kombinierte Bausteine.
  • Preis nicht verhandelt: Stundung senkt nicht, was am Ende zu zahlen ist.
  • Abhängigkeit vom Vorbesitzer unterschätzt, wenn Kundenbeziehungen und Know-how an einer Person hängen.
  • Kein Plan für schwache Phasen: Vereinbaren Sie früh angepasste Raten oder längere Laufzeiten.

Nächste Schritte

  1. Kapitalbedarf getrennt berechnen: Preis, Nebenkosten, Betriebsmittel, Puffer.
  2. Bausteine sammeln: Förderkredit, Bürgschaft, Verkäuferbeitrag, möglicher Partner.
  3. Frühzeitig beraten lassen, etwa bei Kammern oder Nachfolgeberatern.
  4. Suchprofil schärfen, zum Beispiel mit einem Kaufgesuch auf der M&A Börse.
  5. Exposé erst nach digitaler NDA prüfen und diese rechtlich prüfen lassen.
  6. Due Diligence durchführen und einen klaren Kaufvertrag verhandeln.

Dieser Beitrag ist allgemeine Information und keine Finanzierungs-, Rechts- oder Steuerberatung.

Ein Rechenschema für den Eigenanteil

Auch wenn Sie wenig Eigenkapital haben, sollten Sie genau wissen, wo Ihr Eigenanteil herkommt und wie er sich zusammensetzt. Eigenleistung muss nicht nur Bargeld sein: Sicherheiten, Branchenerfahrung und die Bereitschaft, im Betrieb mitzuarbeiten, werden von Banken und Verkäufern ebenfalls bewertet. Das ersetzt Geld nicht vollständig, kann aber die Verhandlungsposition verbessern.

Eigenleistung Wie sie wirkt Grenze
Bargeld und Ersparnisse Stärkstes Signal Begrenzt verfügbar
Sicherheiten Senken das Risiko der Bank Privatvermögen haftet
Branchenerfahrung Senkt Übernahmerisiko Schwer zu belegen ohne Zeugnisse
Mitarbeit im Betrieb Pflicht bei vielen Förderkrediten Bindet Zeit und Person
Starker Businessplan Macht Tragfähigkeit sichtbar Nur so gut wie die Annahmen

Beispielrechnung ohne Zahlen: Wer trägt welches Risiko?

Stellen Sie sich einen Kauf vor, der aus Förderkredit, Bankdarlehen und einem Verkäuferdarlehen besteht. Der Förderkredit senkt Zinsen oder Sicherheitenanforderungen, das Bankdarlehen verlangt Tilgung, das Verkäuferdarlehen belastet den Betrieb zusätzlich. Fällt der Umsatz, trifft die Last zuerst Sie als Käufer: Zinsen und Tilgung laufen weiter, auch wenn die Erträge sinken. Deshalb ist die Frage nicht, ob sich ein Kauf theoretisch ohne Eigenkapital konstruieren lässt, sondern ob Sie seine Last in einem schwachen Jahr tragen können. Beziehen Sie in Ihre Planung auch ein, dass Sie Ihren Lebensunterhalt aus dem Betrieb bestreiten müssen.

Wann ein Partner sinnvoll ist

Ein Mitgesellschafter bringt Kapital, Kompetenz oder beides. Das kann die Lösung sein, wenn Eigenmittel fehlen, verlangt aber klare Regeln: Wer entscheidet, wer haftet, wie wird der Gewinn verteilt, wie kommt man wieder auseinander? Verträge sollten Mitspracherechte, Gewinnverteilung und Ausstiegsszenarien enthalten. Beteiligungsmodelle wie Management Buy-in, Management Buy-out und Search Fund funktionieren in der Regel für größere Betriebe besser als für sehr kleine, weil Investoren eine Mindestgröße erwarten. Wer Anteile abgibt, teilt Entscheidungen und spätere Erlöse. Im Zweifel sollten Sie die Folgen rechtlich und steuerlich durchrechnen lassen. Eine Übersicht zu Bausteinen und Programmen bietet Finanzierung beim Unternehmenskauf.

So gehen Sie konkret vor

  1. Prüfen Sie Ihr Profil ehrlich: Was können Sie einbringen, was fehlt?
  2. Grenzen Sie den Suchraum auf Betriebe ein, die zu Ihrer Finanzkraft passen. Auf der M&A Börse lässt sich nach Kaufpreis und Umsatz filtern.
  3. Sprechen Sie früh mit der Hausbank und einer Kammer.
  4. Fragen Sie Verkäufer ausdrücklich nach Stundung, Raten und Einarbeitung.
  5. Prüfen Sie jeden Betrieb sorgfältig (Checkliste).
  6. Lassen Sie den Vertrag von einem Rechtsanwalt prüfen.

Wer ernsthafte Kaufabsicht zeigen will, kann ein Kaufgesuch einstellen; ob daraus ein Kontakt entsteht, hängt vom Markt ab und lässt sich nicht garantieren.

Häufige Fragen

Kann man ein Unternehmen komplett ohne Eigenkapital kaufen?

Das ist die Ausnahme. Meist erwarten Banken, Bürgschaftsbanken oder Verkäufer Bargeld, Sicherheiten oder nachweisbare Branchenerfahrung. Mischmodelle können den Eigenanteil aber klein halten.

Was ist ein Verkäuferdarlehen?

Der Verkäufer stundet einen Teil des Kaufpreises oder zahlt ihn in Raten aus. Das entlastet den Käufer am Anfang, ändert aber nichts an der Gesamtsumme, die gezahlt werden muss.

Hilft eine Bürgschaftsbank beim Unternehmenskauf?

Sie kann fehlende Sicherheiten gegenüber der Hausbank teilweise ersetzen. Höhe und Quote unterscheiden sich nach Bundesland und Programm, Ansprechpartner ist die regionale Bürgschaftsbank.

Welche Betriebe lassen sich mit wenig Eigenkapital eher finanzieren?

Kleine Betriebe mit niedrigem Preis, wenigen Mitarbeitern und einfacher Ausstattung, etwa ein Imbiss, ein Kiosk oder ein Friseursalon. Kapitalintensive Betriebe sind schwieriger.

Quellen