Staffelstab

Startseite › Branchen & Regionen › Kleine Unternehmen kaufen: Worauf es bei Kleinbetrieben ankommt

Kleine Unternehmen kaufen: Worauf es bei Kleinbetrieben ankommt

Redaktion · Aktualisiert 2026-10-14 · 5 Min. Lesezeit

Beim Kauf kleiner Unternehmen entscheidet weniger die Größe als die Übertragbarkeit: Läuft der Betrieb auch ohne den bisherigen Inhaber, ist der Mietvertrag übertragbar, sind Genehmigungen gesichert, und bleibt nach einem Unternehmerlohn ein Überschuss? Wer das belegt bekommt, kauft einen tragfähigen Betrieb statt eines Arbeitsplatzes mit Kaufpreis.

Warum kleine Betriebe attraktiv und riskant zugleich sind

Kleine Betriebe haben Vorteile: überschaubarer Preis, einfache Strukturen, schnelle Entscheidungen. Sie haben aber auch typische Schwächen. Kunden kennen den Inhaber persönlich, Know-how steckt in einem Kopf, die Buchführung ist oft auf Steuerersparnis statt auf Aussagekraft ausgelegt. Deshalb gilt: Je kleiner der Betrieb, desto wichtiger ist die Frage, was nach dem Inhaberwechsel bleibt.

Die M&A Börse zeigt nach eigenen Angaben unter anderem Inserate in Kategorien wie Einzelhandel, Handwerk, Gastronomie, Gesundheit oder Beauty und Wellness. Die Kategorie mit den meisten Inseraten ist dort laut Seite der Einzelhandel (25 Inserate-Kategorien), gefolgt von Handwerk (20) und Kanzleien und Beratung (18); die Zahlen sind eine Momentaufnahme der Seite. Einen Einstieg bieten die Branchenseiten Einzelhandel und Beauty und Wellness.

Welche Kleinbetriebe sich je nach Profil eignen

Betriebstyp Typische Stärke Typische Frage vor dem Kauf
Ladengeschäft, Einzelhandel Standort, Stammkunden Ist der Mietvertrag übertragbar, wie läuft er?
Gastronomie, Café Überschaubarer Einstieg Konzession, Pacht, Investitionsstau
Handwerksbetrieb Auftragsbestand, Mitarbeiter Meisterpflicht, Personalbindung
Friseur, Kosmetik Stammkundschaft Hängen Kunden am bisherigen Inhaber?
Praxis, Kanzlei Etablierter Patienten- oder Mandantenstamm Berufsrechtliche Zulassung, Übergabe der Kunden
Online-Business Ortsunabhängig Abhängigkeit von Plattformen und Lieferanten

Fünf Prüffragen für kleine Betriebe

  1. Läuft das Geschäft ohne den Inhaber? Wenn Umsatz und Beziehungen an einer Person hängen, sinkt der Wert. Eine vereinbarte Einarbeitungsphase mildert das Risiko.
  2. Ist das Ergebnis bereinigt? Private Kosten, ein nicht gebuchter Unternehmerlohn oder Familienmitarbeiter verzerren Gewinne. Der Unternehmerlohn ist, was ein angestellter Geschäftsführer verdienen würde. Die Rechenlogik steht in Unternehmenswert berechnen.
  3. Ist der Standort gesichert? Prüfen Sie Laufzeit und Übertragbarkeit des Mietvertrags schriftlich.
  4. Sind Genehmigungen übertragbar? Manche Erlaubnisse sind an Personen gebunden und müssen neu beantragt werden.
  5. Gibt es einen Investitionsstau? Überalterte Geräte und aufgeschobene Reparaturen belasten die ersten Jahre.

Faustformel: Rechnen Sie nicht mit dem Gewinn des Inhabers, sondern mit dem Gewinn, der nach Ihrem eigenen Unternehmerlohn, Zins und Tilgung übrig bleibt.

Was gesetzlich automatisch mitkommt

Auch bei einem sehr kleinen Betrieb kann das Recht Folgen haben, die man nicht erwartet. Geht ein Betrieb oder Betriebsteil durch Rechtsgeschäft auf einen neuen Inhaber über, tritt dieser nach § 613a Abs. 1 BGB in bestehende Arbeitsverhältnisse ein. Wer den Betrieb unter der bisherigen Firma fortführt, kann nach § 25 Abs. 1 HGB für im Betrieb begründete Verbindlichkeiten haften. Beides sollte in die Kalkulation und in den Kaufvertrag einfließen; Details in Haftung bei der Firmenübernahme.

Finanzierung und Preis im kleinen Maßstab

Kleine Preise bedeuten nicht automatisch leichte Finanzierung. Banken verlangen auch hier Businessplan, fachliche Eignung und meist einen Eigenanteil. Kleine Betriebe mit niedrigem Preis, wenigen Mitarbeitern und einfacher Ausstattung sind jedoch tendenziell leichter zu finanzieren als kapitalintensive. Modelle mit wenig Eigenmittel erklärt Unternehmen kaufen ohne Eigenkapital. Für eine Größenordnung der monatlichen Belastung gibt es den Finanzierungsrechner der M&A Börse, der nur eine grobe Abschätzung liefert.

Belastbare Branchenmultiplikatoren existieren nach Angaben der Plattform nur für wenige Branchen; Preise für kleine Firmen sind selten öffentlich. Lassen Sie sich nicht von Faustformeln ohne Quelle, Stichprobe und Bezugsgröße leiten.

Eine schlanke Prüfung, aber keine ohne

Bei Kleinbetrieben fällt die Prüfung oft schlanker aus als bei Gesellschaften mit vielen Verträgen. Sie darf trotzdem nicht ausfallen. Fordern Sie mindestens: Jahresabschlüsse oder Einnahmen-Überschuss-Rechnungen der letzten Jahre, aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen, den Mietvertrag, Genehmigungen, eine Liste der Beschäftigten und Verträge mit wichtigen Lieferanten. Die ausführliche Liste finden Sie in der Due-Diligence-Checkliste.

So gehen Sie vor

  1. Eigene Qualifikationen, Budget und Wunschbranche festhalten.
  2. Auf Börsen wie der M&A Börse Alarme anlegen und Inserate nach Region und Preis filtern.
  3. Mehrere Betriebe vergleichen, statt dem ersten Angebot zu folgen.
  4. Nach NDA das Exposé prüfen, Fragen sammeln, Unterlagen anfordern.
  5. Bereinigtes Ergebnis berechnen, Finanzierung klären, Vertrag mit Beratern verhandeln.

Dieser Beitrag ist allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.

Beispiele: Drei kleine Betriebe, drei Schwerpunkte

Die folgenden Skizzen sind erfunden und dienen der Orientierung.

Der Friseursalon mit drei Stühlen. Die Zahlen sind überschaubar, der Preis ist moderat. Die zentrale Frage lautet, ob die Kundschaft dem Salon oder der Inhaberin folgt. Eine Übergangsphase, in der die bisherige Inhaberin noch einige Monate mitarbeitet und die Stammkundschaft persönlich übergibt, ist hier mehr wert als jede Kennzahl. Prüfen Sie außerdem, ob Beschäftigte bleiben, denn sie tragen die Beziehung zu den Kunden mit.

Die Kfz-Werkstatt mit Mietwerkstatt. Hier hängt viel am Standort und an der Ausstattung. Der Mietvertrag sollte lang genug laufen, um die Investition zu rechtfertigen, und der Vermieter muss dem Eintritt zustimmen. Prüfen Sie den Zustand der Hebebühnen, Diagnosegeräte und Werkzeuge, denn ein Investitionsstau schlägt auf den Gewinn durch. Gibt es eine Meisterpflicht, brauchen Sie einen qualifizierten Betriebsleiter.

Der kleine Onlineshop. Ohne Ladenmiete und mit wenigen Beschäftigten wirkt er leicht zu übernehmen. Prüfen Sie aber, wie abhängig der Shop von einer Plattform, einem Lieferanten oder einer Werbequelle ist, denn eine Regeländerung kann den Umsatz binnen Wochen verändern. Daten, Domains, Kundenlisten und Markenrechte müssen im Kaufvertrag eindeutig als Kaufgegenstand benannt sein.

Kaufpreis und Kapitalbedarf bei kleinen Betrieben

Bei kleinen Betrieben fällt der Preis oft niedriger aus als der Gesamtbedarf an Kapital. Zum Kaufpreis kommen Notar- und Beratungskosten, gegebenenfalls Steuern, Warenbestand, Investitionen und Mittel für die Anlaufphase. Rechnen Sie jede Position einzeln und legen Sie einen Puffer für die ersten Monate fest. Prüfen Sie zudem, ob Waren und Inventar im Preis enthalten sind oder gesondert vergütet werden.

Kostenblock Worauf Sie achten sollten
Kaufpreis Fest oder variabel, Raten möglich, Einbehalt für Gewährleistung
Nebenkosten Notar, Berater, Gebühren für Ummeldungen
Warenbestand, Inventar Im Preis enthalten oder separat bewertet
Investitionen Aufgeschobene Reparaturen und Ersatzbedarf
Anlaufphase Liquiditätspuffer für die ersten Monate
Unternehmerlohn Muss aus dem Ertrag zu zahlen sein, nicht zusätzlich

Übergabe organisieren

Gerade bei kleinen Betrieben entscheidet die Übergabe über den Erfolg. Vereinbaren Sie schriftlich, wie lange der bisherige Inhaber mitarbeitet, welche Kunden er persönlich vorstellt und wie Lieferanten informiert werden. Planen Sie gemeinsame Kundenbesuche ein und legen Sie fest, wann Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten informiert werden: möglichst zeitnah und gemeinsam. Nach dem Vollzug sind Gewerbeamt, Finanzamt und Sozialversicherungsträger zu informieren, Verträge, Konten und Versicherungen umzustellen. Wie das im Gesamtprozess aussieht, zeigt der Ablauf des Unternehmenskaufs. Für Interessenten, die selbst Bedarf anmelden wollen, gibt es bei der M&A Börse die Möglichkeit, ein Gesuch einzustellen und Branchen wie Gastronomie gezielt zu durchsuchen.

Häufige Fragen

Welche kleinen Unternehmen kann man kaufen?

Von Ladengeschäften, Cafés und Friseursalons bis zu Handwerksbetrieben, Praxen und Online-Shops. Die Auswahl hängt von Ihrer Qualifikation, Ihrem Budget und möglichen Zulassungspflichten ab.

Ist ein kleines Unternehmen leichter zu finanzieren?

Oft ja, wenn Preis, Personalbedarf und Ausstattung niedrig sind. Trotzdem erwarten Banken Businessplan, fachliche Eignung und meist einen Eigenanteil.

Worauf sollte ich bei kleinen Betrieben besonders achten?

Auf die Abhängigkeit vom Inhaber, die Übertragbarkeit von Mietvertrag und Genehmigungen, bereinigte Ergebnisse und die Frage, ob nach Abzug eines Unternehmerlohns noch ein Überschuss bleibt.

Brauche ich bei Kleinbetrieben eine Due Diligence?

Eine schlanke Prüfung ist bei kleinen Betrieben oft angemessen, aber nie verzichtbar. Zahlen, Verträge, Miete und Genehmigungen sollten Sie anhand von Unterlagen kontrollieren.

Quellen